Deutsche Haute Couture – Uli Richter

In den 60er-Jahren wurde Uli Richter zu einem der wichtigsten Designer der Nachkriegszeit. Er wurde deutschland- und weltweit bekannt, seine Entwürfe galten als der Inbegriff des “Berliner Chic”. Jetzt schaut eine Ausstellung im Berliner Kunstgewerbemuseum zurück auf die Arbeit des Designers – und bringt sie zusammen mit jungen Berliner Designern, die seine Arbeit eigens für die Ausstellung in neun Entwürfen neu interpretierten.

People are always asking me: What is German Fashion? I tell them, that there is no such thing, that fashion has to be international.

Uli Richter 1976 im San Francisco Chronicle

Ein Kleid für 89 000 Mark D-Mark? 1957 entwarf Uli Richter, damals gerade 31 Jahre alt, ein über und über mit Perlen besticktes Kleid – für den “Cotton Festival International”-Wettbewerb, in dem es eigentlich um Baumwolle gehen sollte. Wo da die Baumwolle blieb? In dem Mantel, der über dem aufwendigen Kleid getragen wurde!

Der deutsche Designer gewann den Wettbewerb, 1959, zwei Jahre später, machte er sich mit seinem eigenen Modelabel selbstständig. Und wurde mit seinen Entwürfen, die zum Epitom des “Berliner Chic” wurden, nicht nur deutschland- sondern weltweit berühmt. In den 60er-Jahren trugen Stilikonen wie Hildegard Knef seine Entwürfe, genauso wie etwa Kanzlergattin Rut Brandt. 1982 schloss er sein Label (die Modewelt war eben eine andere als noch in der Nachkriegszeit).

Uli Richter war ein Pionier in vielen Bereichen. Während seinerzeit eigentlich überhaupt nur Paris und die dort ansässigen Designer international anerkannt waren, wurden seine Kollektionen auch in amerikanischen Städten wie San Francisco, Las Vegas, Houston, Los Angeles und New York in Einzelschauen präsentiert.

Er war außerdem einer der ersten deutschen Designer, der Prêt-à-Porter entwarf – schon vor Yves Saint Laurent, dem häufig zugeschrieben wurde, der Erfinder der Prêt-à-Porter zu sein (was auf den Laufstegen, in den Défilés zuvor präsentiert wurde, war ausschließlich Haute Couture und damit nur einer kleinen Käufergruppe zugeschrieben). Richter allerdings wollte, dass viele Frauen seine Mode tragen konnten, also entwarf er auch günstigere Modelle nach den gleichen Maßstäben seines Designer-Handwerks. “Mode ist international” war dabei einer seiner Wahlsprüche – obwohl ihm doch viele zuschrieben, so etwas wie der Designer des “Berliner Chic” zu sein.

Wann?

02.12.2016-05.03.2017

Wo?

Kunstgewerbemuseum

Matthäikirchplatz

10785 Berlin

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